"Bei den Beschwerden zu möglichen Missständen stellen wir im Verlauf der letzten Jahre eine stetige Zunahme fest", beobachtet Prof. Dr. Claudia Wöhler, Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bayern. Am häufigsten beziehen sich die Beschwerden auf Mitarbeiter- und Führungsverhalten, Pflege sowie das eingesetzte Personal und dessen Qualifikation. Bei den Anlassprüfungen hat sich in 55 Prozent der Fälle der Verdacht bestätigt.
"Der Medizinische Dienst Bayern trägt eine große Verantwortung für die Qualitätssicherung der Pflege im Freistaat. Deswegen nehmen wir die Sorgen der Pflegebedürftigen, deren An- und Zugehörigen sowie der Mitarbeitenden von Einrichtungen sehr ernst. Bei Beschwerden handeln wir schnell, lösungsorientiert und in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Kranken- und Pflegekassenverbände in Bayern (ARGE)", so Wöhler.
Von den insgesamt 455 Beschwerden entfielen 2025 insgesamt 234 auf die stationäre Pflege, davon 222 auf Pflegeheime und zwölf Beschwerden auf Tagespflegeeinrichtungen. Zu ambulanten Versorgungsformen gingen insgesamt 221 Beschwerden ein. Davon bezogen sich 196 auf die Versorgung eines Pflegedienstes im häuslichen Umfeld, 18 auf ambulant betreute Wohngemeinschaften und sieben auf Versorgungsangebote im betreuten Wohnen.
"Vertrauen ist eine wichtige Grundlage für gute Pflege. Die große Mehrheit der Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste in Bayern leistet täglich mit viel Herzblut, Engagement und großer Fachlichkeit eine wertvolle Arbeit. Gleichzeitig braucht es aber eine unabhängige Anlaufstelle für Unsicherheiten, Fragen oder Hinweise auf mögliche Missstände. Die Rückmeldungen helfen uns dabei, Sachverhalte frühzeitig zu klären, Risiken zu erkennen und – wenn erforderlich – konsequent zu handeln. So stärken wir das Vertrauen in die Pflege", erklärt Prof. Dr. Claudia Wöhler abschließend.
Die wichtigsten Ergebnisse aus dem Jahresbericht Beschwerdemanagement:
Maßnahmenempfehlung
Bei einer Gesamtzahl von 455 Beschwerden hat der Medizinische Dienst Bayern der ARGE 2025 nach einer pflegefachlichen Bewertung folgende Maßnahmen empfohlen: 32 Anlassprüfungen innerhalb von drei Werktagen, 106 Anlassprüfungen innerhalb von zehn Werktagen, elf anlassbezogene Abrechnungsprüfungen, 45 Priorisierungen der Regelprüfung. 141 Mal wurde eine Stellungnahme eingeholt, eine sonstige Maßnahme empfohlen oder es bestand kein Handlungsbedarf. 69 Beschwerden wurden durch die zuständige Heimaufsichtsbehörde (FQA) bearbeitet. Bei 51 Beschwerden war der Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung zuständig. Im vergangenen Jahr kam es insgesamt zu 149 beschwerdebezogenen Anlassprüfungen ohne Ankündigung. Im Vorjahr waren es 123 Anlassprüfungen.
Ergebnisse der beschwerdebezogenen Anlassprüfungen
Bei den insgesamt 149 Anlassprüfungen haben sich 55 Prozent der Fälle überwiegend oder teilweise bestätigt. Die Missstände haben sich dabei in folgenden Bereichen gezeigt: Pflege (62), Medikamente/Betäubungsmittel (29), Personal/Qualifikation (24), Mitarbeiterverhalten/Führungsverhalten (20), Ernährung/Flüssigkeitsversorgung (20), Dokumentation (19), Abrechnung (17), Hygiene (15), Freiheitsentziehende Maßnahmen/Gewalt (3), Sonstiges (3), Betreuungsleistungen (1), Einschränkungen der Grundrechte (1).
Beschwerden können beim Medizinischen Dienst Bayern anonym oder namentlich eingereicht werden. Je nach Inhalt und Dringlichkeit erfolgt die Beratung oder Prüfung durch speziell geschulte Pflegefachkräfte.
- Telefon: +49 (0) 89/159 060 2000
- E-Mail: externe-qs-pflege@md-bayern.de
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- Post: Medizinischer Dienst Bayern, Bereich Pflege – Beschwerde- und Fachanfragenmanagement, Haidenauplatz 1, 81667 München